Nasib
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 Herbststurm

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Aska

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BeitragThema: Herbststurm   Herbststurm EmptyFr Jan 13, 2012 12:18 pm

Wetter; Herbststurm
Zeit; Gegen Mittag, 2 Jahre vor dem 1. Plot
Personen; Aska (menschlich) und Thanael


Der Wind peitschte ihr ins Gesicht, zerrte an ihrer Kapuze und den paar Strähnen, die sich aus ihrem losen Zopf befreit hatten. Bletter wirbelten um sie herum, zusammen mit dem Regen, der vom Wind getrieben wurde wie ein Pferd von einer Gerte. Aska bahnte sich ihren Weg über den Fußweg, der größtenteils von Pfützen eingenommen war. Es war schrecklich kalt und nichtmal ihre dichte Regenjacke konnte sie davon abhalten zu frieren. Die Schule hatte nach der vierten Stunde beschlossen, dass der Unterricht bei diesen Bedingungen nicht möglich war. Diese Bedingungen war das riesige Loch, dass ein umfallender Baum in das Dach ihrer Schule gerissen hatte. Natürlich hatte sich das Mädchen gefreut, doch das war schnell vergangen, als ihr bewusst wurde, dass zu dieser Zeit noch kein Bus fuhr. Sie hatte also die Möglichkeit drei Stunden darauf zu warten, dass der Bus kam - allein, draußen, in der Kälte - oder zufuß nach Haus zu gehen. Letzteres dauerte 'nur' eine Stunde, oder zwei. Ihre Eltern waren noch beide auf Arbeit und Freunde, die sie mitnehmen konnten hatte sie nicht. Es war ihr nicht schwer gefallen sich dafür zu entscheiden lieber Zufuß heim zu gehen. Da konnte man sich wenigstens bewegen und wurde somit warm. Natürlich hatte sie zu diesem Zeitpunkt noch nicht bedacht, dass sie während ihres gesamten Weges fürchten musste, dass sie von Bäumen erschlagen wurde...
Dieser Sturm war tatsächlich heftig. Man hatte ihn nicht vorausgesehen. Am Morgen hatte niemand etwas im Radio erwähnt und eigentlich war für diesen Tag Sonnenschein angesagt. Und dann das! Aska lachte, beim Gedanken an diesen verrückten Tag. Sie war kein Mensch, der wegen soetwas traurig oder frustriert war. Das Wetter spielte die Spiele der Wetterpropheten nunmal nicht mit, na und? Die Natur hatte ihre eigenen Ziele und Wünsche, und die ließen sich nicht voraussagen. Auch nicht von einem Kerl, der von irgendeiner blöden Universität seinen Professortitel in Meteorologie - oder wie auch immer dieser Blödsinn hieß - verliehen bekam, nur weil er ein paar dämliche Diagramme lesen konnte.

Eine Windböe ließ sie zusammenfahren. Hinter ihr knarrte ein Baum und sie sah sich hektisch um, nur im nächsten Moment zur Seite zu springen. Ein massiver Ast fiel auf den Gehweg, splitterte und lag dann ruhig. Der wievielte war das? Sicher der Dritte. Wieder lachte das Mädchen.
» Du bekommst mich nicht, du Herbststurm!«, brüllte sie lachend dem Wind endgegen, der wütend an ihrer Kleidung zerrte. » Keine Chance, da kannst du noch so wütend brausen! «
Sie drehte sich um und setzte ihren Weg fort. Die Hälfte hatte sie mittlerweile geschafft. Vielleicht auch schon etwas mehr. Sie zitterte und frierte schon, doch das störte sie nicht, denn sie wusste, dass sie daheim eine schöne Tasse Tee trinken und sich damit vor einen wohlig warm lodernden Kamin setzen konnte. Sie lächelte beim Gedanken, wie sie sich in eine schöne kuschlige Decke einwickelte und sich ihr heißgeliebtes Buch zur Hand nehmen konnte, um weitere Zeilen zu verschlingen, als wären es besonders leckere Pralinés. Sie ahnte noch nicht, dass in der nächsten Zeit alles ein wenig anders kommen könnte - und den gemütlichen Tagen am Kamin vielleicht ganz den Gauraus machen würde...
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Thanael

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BeitragThema: Re: Herbststurm   Herbststurm EmptyFr Jan 13, 2012 7:36 pm

Das Unwetter tobte, aber es war ihm egal, wie sehr der Wind an seiner Jacke rüttelte. Er hatte sich unter einen Baum gesetzt, der ihm ein bisschen Schutz gewährte. Er wusste sowieso nicht, wo er sonst hin gehen sollte, schließlich war er nicht mehr als ein heimatloser Wanderer, der nirgendwo Zuhause sein konnte. Er hatte viel über New York gelernt, über die Menschen, die Moderne und ein Satz war ihm besonders im Kopf geblieben: Nirgendwo sind die Menschen so einsam wie hier, in der größten Stadt Amerikas. Ob sich ähnliches über Tokio sagen ließ, wusste er nicht. Die Japaner hatten eine andere Mentalität, aber hier kam es ihm so vor, als wäre Einsamkeit alles, was den Menschen noch gemein war. Aber deren Einsamkeit war eine Andere, als die, die er spürte und immer gespürt hatte. Er wusste gar nicht, ob er sich je aus ihr würde lösen können. Wie denn?
Seine Mütze hatte er über den Kopf gezogen, so dass er nur einen eingeschränkten Blickwinkel hatte. Er wollte gar nichts sehen. Der Wald hatte genauso wenig zu bieten, wie die Städte. Tiere hassten ihn und hielten sich von ihm fern. Wenn sich Menschen, die einsam waren, Tiere anschafften, dann war das zumindest keine Option für ihn. Außerdem konnte er ohnehin nie wissen, was er mit solchen Tieren vielleicht anstellen konnte. Besser er blieb hier sitzen.
Nach dem er sich gesetzt hatte, waren die Vögel geflüchtet, dann ein Eichhörnchen aus seinem Bau getürmt und inzwischen roch er nichts Lebendiges um sich herum. Mitunter lag das am Wind, der mit jeglichem Geruch spielte und alles und nichts in seinen unbarmherzigen Schlägen trug.
In der Nähe schrie jemand gegen den Sturm an, aber Thanael wollte nicht aufsehen. Es war irgendwo im Wald und vielleicht hatte der Wind die Wortfetzen einfach nur weit mit sich gerissen. Es würde ihn schon keiner stören, in seinem Versteck, das keines war. Ein bisschen fühlte es sich danach an. Als könne er sich hier vor der ganzen Welt verbergen. Oder doch nicht?

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BeitragThema: Re: Herbststurm   Herbststurm EmptySa Jan 14, 2012 8:09 pm


Sie kicherte leise, während der Wind noch immer mit ihr spielte, wie ein Kind mit einer Puppe. Noch immer wurde sie hin und her geworfen, doch sie ergab sich nicht. Sie hatte ja schon einen beträchlichten Weg hinter sich. Nur noch einmal das Selbe, dann hatte sie es geschafft. Vielleicht sollte sie rennen? Irgendjemand hatte ihr einmal gesagt, dass man so weniger Regen abbekam. Sie sah sich kurz um, dass auch ja niemand sie beobachtete und rannte dann los. Irgendwie wäre es ihr peinlich gewesen, wenn sie irgendjemand dabei ertappt hätte, wie sie hier Mitten im Wald, vom Sturm gepeinigt plötzlich wie gestochen loslief.
Der Matsch unter ihren Füßen schmatze mit jedem Schritt, den sie tat. Ihre Hose befleckte sich mit dem Schlamm des erdigen Untergrunds und verdreckte. Aska sah es, doch sie fand es nicht schlimm. Man konnte ja alles waschen. Und wenn nicht? Na, dann trug man eben dreckige Kleidung, und? Schlamm war ja nun nichts ekliges. Es war einfach nur nasser Sand. Kein großer Grund sich davor zu früchten, zu ekeln oder sonstwie anzustellen.
Kurz warf sie einen Blick zurück, um zu überprüfen, dass sie auch jetzt niemand rennen sah. Aber... saß da nicht jema - KLATSCH. Schlamm spritzte ihr ins Gesicht, aufgewirbelt von ihren Händen, die sich in das kalte Nass gruben. Das Mädchen fühlte, wie die Kälte und Feuchtigkeit durch ihre schwarze Jeans zu ihren Beinen stieg und langsam immer mehr den Stoff durchtränkte. Sie war über einen Ast gestolpert! Sie hätte sich nicht so ablenken lassen sollen, aber dieses Schulbekenntnis kam ihr reichlich zu spät. Nun war sie schon gefallen und total durchnässt... und man hatte ihr vermutlich dabei zugesehen. Ihr junges Gesicht errötete und sie wand es gen Boden, da sie nicht wollte, dass man sie so sah. Schnell hatte sich das Blut wieder normalisiert, ihr Gesicht war wieder normal. Mühelos stand sie auf und erwischte sich bei dem sinnlosen Versuch den Schlamm von ihren Kleidern zu wischen. Sie kicherte kurz und unterließ es dann.
Eigentlich wollte sie schnell weiter. Weg von demjenigen, der dort unter dem Baum saß und... ja, was tat er eigentlich? Wieso saß er unter diesem Baum, so ganz allein und inmitten eines Sturms, bei dem man lieber hätte daheim hocken sollen. Ihre Neugierde war geweckt. Nicht zuletzt beschlichen sie die Gedanken, dass mit der Person vielleicht etwas passiert war. War sie verletzt? Hatte sie einen Ast auf den Kopf bekommen? Unterkühlt? Total durchnässt? Nein, es kam gar nicht in Frage diesen Menschen hier sitzen zu lassen. Er würde sich noch den Tod holen!

Mehr laufend als gehend huschte sie zu dem Mann - nun konnte sie es eindeutig erkennen - unter dem Baum und musterte ihn derweil. Er hatte sich die Kapuze weit ins Gesicht gezogen und wirkte nicht, als wolle er angesprochen werden - zumindest für jeden normalen Menschen. Für Aska war das allerdings etwas anders; Gerade dieser Mensch wirkte so, als wolle er reden. Er brauchte Hilfe, definitiv!
» Heh, Du! Hast du dir was getan? Ist alles in Ordnung? Komm her, ich bring dich ins Warme. Wenn wir uns beeilen schaffen wir es in einer halben Stunde. Ich habe einen Kamin zuhause und ich kann uns Tee machen. Dir muss eiskalt sein, wenn du hier so allein auf dem Boden hockst! « Immerhin beißen ihn die Kältegnolle in den Hintern. Die mögen es doch gar nicht, wenn man sie während eines Sturms mit ihrer Anwesenheit beirrt., dachte sie und biss sich dabei auf die Lippe. Natürlich wusste sie, dass ihre Gedanken totaler Quatsch waren... oder?
Vom Siezen hatte Aska noch nie etwas gehalten. Zwar erkannte sie noch nicht, ob der Mann auf dem Boden alt oder jung war, doch das machte für sie keinen Unterschied. Alt und jung ist doch beides menschlich, warum also Ausnahmen machen, nur weil jemand drei Jahre älter war, als ein 15jähriger?
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BeitragThema: Re: Herbststurm   Herbststurm EmptySo Jan 15, 2012 3:01 pm

Der Wind riss die Geräusche der Umgebung mit sich fort und trug andere heran. Sein Blick hatte sich auf das fallende Mädchen gerichtet, dass sich ein Stück von ihm entfernt befand. Die schnelle Bewegung hatte ihn irgendwie zusammen zucken lassen, obwohl es gar nicht so schnell gewesen war. Aber er war sich ihrer Anwesenheit bewusst geworden, der Tatsache, dass sie schon viel zu nah war, um einfach unbemerkt zu verschwinden. Es erschien ihm nur logisch, dass es mehr als gefährlich war, jemanden soweit an sich heran zu lassen. Dabei schien ihm entfallen zu sein, dass das Menschenmädchen eher gefährdet war, als er, der Vampir.
Sie stand auf und irgendwie hoffte er immer noch, sie würde einfach weiter gehen, weil sie ihn nicht gesehen hatte. Oder weil sie ihn gesehen hatte und er ihr Angst machte, oder sie zu denen gehörte, die einfach immer wegsahen, nur um nichts damit zu tun haben zu müssen.
Als sie dann auf ihn zu trat, versuchte er in seiner Kleidung zu verschwinden. Wahrscheinlich sah man von außen keine wirkliche Regung, denn es hatte schließlich auch keinen Zweck. Er wurde einfach unmerklich kleiner, als könne er sich so verstecken. Er hätte sich gleich anständig verstecken sollen, statt hier so blöd herum zu sitzen.
Er hob den Kopf, als sie ihn ansprach, ohne genau zu wissen, warum. Der Wind riss ihm im selben Moment die Kapuze aus dem Gesicht, so dass seine Haare hin und her gepeitscht wurden. Die Worte ließen ihn aufspringen und ein paar Schritte zurück weichen. Die herzliche Aufdringlichkeit machte ihm bewusst, an welche Art von Mensch er hier geraten war. Jemand, der nicht locker ließ und für den es selbstverständlich war, jeden mit offenen Armen zu empfangen. Ausgerechnet.
Wehmütig wandte er den Blick ab und musterte das Mädchen nur misstrauisch aus den Augenwinkeln.

„Mmmir iist niicht kkallt.“

Gab er zurück. Wahrscheinlich klang sein übliches Stottern, als würde vor Kälte geschüttelt. So ein Müll.

„Bbesser nnicht. Mir ggehts ggugut, okay?“

Mit einer gleichgültigen Bewegung zog er die Kapuze wieder über den Kopf und ließ die Hände in die Hosentaschen gleiten. Seine traurigen, hellen Augen ruhten auf dem fremden Geschöpf. Dem Menschenmädchen, das sich nichts daraus zu machen schien, dass jede anständige Person bestimmt nicht hier im Wald sitzen würde. Wie es wohl wäre, die Zeit zurück zu drehen, um ein bisschen weniger als 1100 Jahre? Wie würde es sich anfühlen, nach all den Jahrhunderten noch mal menschlich einem Menschen gegenüber zu stehen?

„Ddu ssolltest bbesser nnach Hhause ggehen.“

…Und nicht bei diesem Unwetter hier draußen im Wald wildfremde Kerle ansprechen. Aber die Menschen wussten nichts von den Gefahren, die lauerten. Mädchen wie die Kleine vor ihm verschwanden und man sprach von irgendwelchen Psychopathen. Wie oft war das wohl ein Fehlglaube? Er hatte im Grunde keine Ahnung von seiner eigenen Rasse. Wie viele gab es? Wo versteckten sie sich? Oder lebten sie offen unter denen, die sie bei Zeiten aussaugten?
Der Gedanke ließ einen Schmerz durch seinen Körper ziehen. Durch sein Herz, hätte er als Mensch gedacht, aber so etwas hatte er doch gar nicht mehr. Es war nur ein totes Organ zwischen anderen toten Organen in einem untoten Körper.

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BeitragThema: Re: Herbststurm   Herbststurm EmptyMi Jan 18, 2012 5:38 pm



Na huch, der sieht ja jung aus..., dachte sie, als sie sah wie ihm die Kapuze zurückgeweht wurde. Als er dann so apprupt aufsprang und einige Schritte nach hinten stolperte, blieb sie stehen. Ohje, jetzt hab ich ihn auch noch erschreckt! Na mit dem stimmt irgendetwas gehörig nicht. Der muss schnellstens ins Warme! Misstrauisch wurde sie aus den Augenwinkeln beobachtet. Sie lächelte sanft, lauschte seinem Gestottere und schüttelte den Kopf. Irgendwie wirkte, der Kerl, als würde er tatsächlich Angst vor ihr haben. Wie konnte er? Sie war doch das kleine naive Mädchen, dass blindlings fremde Kerle zu sich einlud, ohne über irgendwelche Konsequenzen nachzudenken. Darüber war sie sich durchaus im Klaren, doch sie sah es trotzdem als Pflicht an derartiges zu tun. Sonst ist die große Erdenmutter gar nicht stolz auf mich pflegte sie in solchen Situationen zu denken. Natürlich tat sie es nicht nur für irgendeine fiktive Person, sondern auch für sich selbst. Es bereitete ihr Freude anderen zu helfen. Und diesen werten Herren hier musste sie wohl zu seinem Glück zwingen! Ihm ging es gut? Ja, sicher, bei diesem Wetter saß man auch grundsätzlich hier draußen und ließ sich vom Regen berieseln, weil es ja so herzlich warm war. Ironie lässt grüßen und zauberte Aska ein erneutes Lächeln auf die Lippen. Auch der gestotterte Wunsch sie solle besser nach hause gehen erreichte ihren Verstand nicht. Stattdessen kicherte das Mädchen leise und schüttelte den Kopf.
» Nichts zu machen, du wirst mich nicht los. «, sagte sie mit einem herzlichen Lächeln. » Du brauchst gar nicht nervös zu sein, oder schüchtern oder so. Stottern stört mich nicht. Stotter so viel du willst. Und hier draußen in der Kälte bleiben kannst du auf keinen Fall, Herzchen. Du stirbst mir noch weg! «
Sie hopste noch einige Schritte auf ihn zu und griff nach seiner Hand. Im nächsten Moment erschrack sie und sah ihn erschrocken an, ohne die Hand, nach der sie gegriffen hatte los zu lassen.
» Na sieh mal, du bist ja schon eiskalt! Los komm, wir gehen schnell. Wenn wir rennen wird dir vielleicht wieder warm und dann sind wir ganz schnell bei mir zu Hause und ich kann dir eine Decke geben! «
Noch im selben Moment packte sie seine Hand fester und begann loszurennen, ohne weiter darauf zu achten, ob auch ihr Anhängsel sich in Bewegung setzte.
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BeitragThema: Re: Herbststurm   Herbststurm EmptyDo Jan 19, 2012 4:29 pm

Thanael betrachtete das Mädchen, irritiert durch dessen Zutraulichkeit. Irgendwie fühlte er sich völlig überrumpelt, als sie ankündigte, er würde sie nicht loswerden. Er hatte das Gefühl, als würden sie aneinander vorbei argumentieren, wusste aber auch nicht, wozu er seine abwehrende Art aufrechterhalten sollte. Ihm fehlte sozusagen der Antrieb, der Grund oder die Entschuldigung, wieso er nicht einfach mit dem Menschenmädchen mitgehen sollte. Warum sollte er nicht für eine kleine Weile der ewigen Einsamkeit entkommen?
Die Antwort darauf kannte er nur zu gut. Es war nicht sonderlich klug, in der Nähe von Menschen zu sein und sie dadurch in Gefahr zu bringen. Schon gar nicht, wenn es sich um nette Menschen handelte. Vielleicht sollte er ihr zuliebe tatsächlich mitgehen und dafür sorgen, dass sie sicher Zuhause ankam und nicht unterwegs von einem Ast erschlagen wurde. Vielleicht sollte er auf sie aufpassen, damit ihr nichts passiert und womöglich sollten sie sogar schnell aufbrechen, damit sie nicht krank wurde. Thanael wusste selbst, dass all das nicht mehr als eine Ausrede war, als müsse er sich vor sich selbst rechtfertigen.
Er wandte den Blick etwas mehr zu ihr hin. Ohne Umschweife kam sie auf sein Stottern zu sprechen, das schon so viele Gemüter erheitert hatte. Er, der vielleicht einzige Vampir des Planeten, der stotterte. Wehmütig betrachtete er das unschuldige Mädchen, gerührt von ihrer Offenheit.

„Mmir gge-geht’s gut.“

Versuchte er zu widersprechen. Widersprechen gehörte nicht gerade zu seinen Stärken. Im Grunde konnte man sagen, dass er dazu nahezu unfähig war. Der lächerliche Versuch fand nicht im Entferntesten Anklang. Stattdessen sprach das Mädchen davon, dass er ihr wegsterben konnte, wenn er hier blieb. Ein Hauch Bitterkeit mischte sich in seine sonst ruhigen, traurigen Züge. Was wäre das nur, wenn er sterben könnte.
Als plötzlich ihre warme, lebendige Hand nach der seinen griff, war er zu verblüfft, um sie fortzuziehen. Er sah sie an - sie war kaum merklich größer als er – und wusste nichts mehr zu sagen, um sich zu wehren. Dem Anschein nach, brauchte er aber auch gar nicht mehr zustimmen, denn sie entschied über seinen Kopf hinweg, als sie losrannte. In seinem Gesicht tauchte neben der Überraschung und Nachdenklichkeit eine stumme Frage auf: Geht das wirklich in Ordnung?
Für ihn war es natürlich ein leichtes, mitzuhalten. Er erinnerte sich nicht mehr daran, wie sich menschliche, körperliche Erschöpfung anfühlte. Manchmal spürte er so etwas wie Müdigkeit in sich, vielleicht sogar Kraftlosigkeit, aber das war etwas anderes. Kein Ausruhen der Welt hätte ihn davon kurieren können.


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BeitragThema: Re: Herbststurm   Herbststurm EmptyMo Jan 23, 2012 3:21 pm



Aska glaubte zu erkennen, dass sich ihr Gegenüber geschlagen gab. Zumindest machte das ziemlich den Anschein. Er wirkte, als hätte er gar keine Lust mehr mit ihr darüber zu diskutieren, ob es gut war mit ihr mitzugehen. Sie störte das reichlich wenig. Sie konnte sowieso nicht verstehen, wieso sich dieser Kerl tatsächlich der Heftigkeit des Sturms hier draußen hingeben würde. Jedem normalen - und eigentlich auch jedem abnormalen Menschen - würde das den Tod bringen. Wie ein letztes Aufbäumen gegen ihren Willen stotterte der Kerl ein "Mir geht's gut", dass bei dem Mädchen nur ein gutmütiges Lächeln zustande brachte. Ja, natürlich ging es ihm gut. Jeder Menschen, dem es gut ging, verbrachte doch sicher gern seinen Tag bei Unwetter hier draußen. Oh, welch eine Ironie.
» Natürlich geht es dir gut. «, sagte sie im Laufen, während ihr Lächeln noch breiter wurde. » Aber ich fürchte, dass ist nicht mehr lange der Fall, wenn wir weiter hier bleiben «
Wenigstens hatte der Kerl eine gute Kondition, dachte Aska. Er konnte problemlos mithalten, also hatte ihn immerhin bisher kein Virus ereilt - was sich natürlich ganz schnell ändern konnte, wenn sie sich nicht beeilten. Die Bäume rauschten im Lauf an ihr vorbei. Sie spürte, wie der Wind weiterhin an ihrer Kleidung zerrte, spürte, wie ihre Lungen nach immer mehr Luft verlangten. Luft, die sie nicht länger einatmen konnte - sie war eine miserable Läuferin. Ihre Ausdauer war derart schlecht, dass sie nach knapp fünfhundert Metern bereits das Bedürfnis hatte stehen zu bleiben und sich einfach mitten in den Matsch zu werfen, um sich wenigstens eine Minute auszuruhen. Doch Aufgeben war nicht ihr Ziel und sie wollte diesen armen, vermutlich kränkelnden Kerl auf keinen Fall hier sitzen lassen, nur weil ihr die Puste ausging. Nun wurde sie zwar merklich langsamer, doch lief sie immernoch schneller als in ihrem normalen Gang. Glücklicherweise trug der starke Wind die Geräusche ihres Atems weit, weit weg, so dass ihr Anhängsel gar nicht hörte, dass sie bereits keuchte. Dachte sie zumindest...

Es dauerte tatsächlich gerade einmal zehn Minuten bis Aska mit ihrem Anhängsel vor dem Haus mitten im Wald stand. Nunja, mitten im Wald war vielleicht etwas übertrieben, doch immerhin stand es direkt neben dem Wald. Die nächsten Häuse lagen trotzdem etwas weiter entfernt.
Mit eingefrohrenen Händen fischte das Mädchen einen Schlüssel aus ihrer Jackentasche, während ihre andere Hand den Jungen losließ, den sie bisher an der Hand gehalten hatte.
» Wir sind da. «, verkündete sie mit einem Lächeln. » Jetzt können wir ins Warme und uns einen Tee machen. Keine Sorge, meine Eltern sind nicht zuhause, du musst dir also keine Gedanken um blöde Fragen machen und hast noch ein wenig Zeit dich auszuruhen. «
Sie steckte den Schlüssel ins Schloss und drehte ihn.
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BeitragThema: Re: Herbststurm   Herbststurm EmptyMo Jan 23, 2012 6:17 pm

Thanael hielt es für das Beste, sich schweigend ihrem Tempo anzupassen. Er beneidete sie um das menschliche außer Atem kommen und tat doch so, als würde er nichts bemerken. Gelegentlich schien er über seine eigenen Füße zu stolpern, fing sich aber jedesmal rechtzeitig, um sie nicht beide in den Matsch zu reißen. Sie war wirklich sehr bestimmend und dadurch auch aufdringlich. Der Vampir konnte damit reichlich wenig anfangen, sich aber auch nicht dagegen wehren.
Sein Blick fiel auf das Mädchen neben sich, als sie aus dem Wald traten und sie zielsicher auf das dort stehende Haus zuging. Sie sprach davon, dass sie angekommen waren und Thanael suchte eine Möglichkeit, irgendwie zu verschwinden. Es erschien ihm geradezu unhöflich, in dieses Haus einzudringen.

„Ffindest ddu es nnicht eein bisschen ge-gefährlich, einfach eeinen Ffremden mmit zu bringen?“

Fragte er leise, aber laut genug, um über den tobenden Wind hinweg verstanden zu werden. Er machte sich ein bisschen Sorgen um das, was das Mädchen mit ihrem naiven Zutrauen anrichten konnte, wenn sie an den Falschen geriet.
Die Erwähnung ihrer Eltern behagte ihm auch nicht sonderlich. Früher oder später würden diese sicher wieder kommen und er hatte schon jetzt das Gefühl, dass es nicht besonders klug war, auf diese zu warten. Davon abgesehen dass er ein Vampir war – also eigentlich nicht ungefährlich – war er doch nach außen hin ein Mann. Ein junger Mann, aber auch ein solcher hätte mit diesem Mädchen tun und lassen können, was er wollte. Der Gedanke gefiel Thanael am allerwenigsten an dieser ganzen Sache.

„Iich… bbrauche mich nicht aauszuruhen. Es ge-geht mmir doch gu-gut.“

Versuchte er hilflos zu erklären, während das Mädchen die Tür aufschloss. Sein Blick wanderte einmal prüfend über die Umgebung, als müsse er sich vergewissern, dass niemand ihnen beim betreten des Hauses zusah. Wie unnötig, er hätte auch einfach davon rennen können. Schnell und lange genug, um nicht wieder eingefangen werden können. Danach hätte er diese Gegend einfach nur meiden, oder das nächste Mal besser aufpassen müssen.

„Wwie hheißt du?“

Er schämte sich dafür, dass ein Teil von ihm, trotz aller Vernunft, lieber mit ihr ins Haus gehen wollte. Und das dieser Teil so ätzend viel stärker war.

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BeitragThema: Re: Herbststurm   Herbststurm EmptyFr Jan 27, 2012 5:53 pm

Aska war aufgefallen, dass er mehrmals beinahe gestolpert wäre, während er kaum nach Atem rang. Wow, der Kerl hatte wirklich eine hervorragende Ausdauer, um die das Mädchen ihn beneidete. Schon oft hatte sie sich gewünscht ausdauernder zu sein. Sie war flink und schnell, ja, aber Ausdauer war so gar nicht ihre Sache und irgendwie ließ sie sich einfach nicht antrainieren, dass hatte sie schon oft genug versucht und war jedes Mal kläglich daran gescheitert - nicht zuletzt, da sie wenig Motivation dazu hatte ein langfristiges Training durchzusehen. Die Ausdauer würde wohl immer ein Wunschtraum sein.
Stotternd brachte ihr Mitbringsel die Frage zustande, ob sie es nicht gefährlich fand einen Fremden mitzubringen. Einen kurzen Moment lang dachte sie an die ganzen Nachrichten, in denen immer wieder davon geredet wurde wie irgendwelche Jugendliche verschleppt, missbraucht und im schlimmsten Fall ermordet wurden. Sie sah kurz gen Himmel, dem unerträglichen Sturm entgegen, dann begegnete ihr Blick wieder dem seinen und sie lächelte.
» Nein. «, sagte sie bestimmt. » Du wirst mir nichts tun. « Sonst hätten die guten Waldgeister versucht mich davon abzuhalten und hätten mich dich nicht sehen lassen.
Die Tür zum Inneren des Hauses schwang auf und sich stolperte schnell herein, zog den Fremden mit sich mit. Der Flur, den sie betreten hatten zog sich einige Meter hin, ehe er vor dem Durchgang zum Wohnzimmer endete. Schon von hier aus konnte man den Kamin sehen, in dem noch der letzte Funke eines Feuers glühte. Der Kamin war aus Backstein und um ihn herum lagen diverse Schafsfelle, die einluden es sich vor dem Feuer bequem zu machen. Die Wände waren mit Holz vertäfelt, Tische aus dunklem Mahagoni, ebenso wie der Boden. Ein ledernes Sofa stand auf der rechten Seite, zusammen mit einem niedlichen kleinen Fernseher, den man auf den ersten Blick beinahe übersehen konnte. Insgesamt wirkte das Wohnzimmer, als würde es von einem Jäger aus dem Mittelalter stammen. Dieser Eindruck wurde nicht zuletzt von den Geweihen an der Wand geprägt. Aska mochte sie, auch wenn sie nicht genau wusste, ob die Tiere hatten unrechtmäßig sterben mussten. Der, der sie erlegt hatte, würde schon einen Grund dafür gehabt haben, der nicht einzig und allein der Profit war.
Sie zog sich rasch die Jacke aus, ebenso wie die Schuhe, während sie den Kerl ansah.
» Okay, dann musst du dich eben nicht ausruhen. Aber gegen ein bisschen aufwärmen kannst du auf keinen Fall etwas sagen. Es ist schweinekalt draußen, falls du es noch nicht bemerkt hast. «, gluckste sie vergnügt.
Sie huschte zur Küche, die auf der linken Seite des Flurs, direkt neben der Gaderobe durch eine Tür zu erreichen war.
»Mein Name ist Aska. Hübsch nicht? «, sagte sie, und lächelte ihm schwach entgegen. » Das ist ein altes nordisches Wort für Asche. Ich liebe Feuer, weißt du? «
Sie rieb sich die Arme und fröstelte sichtlich. Noch immer saß ihr die Kälte und der Sturm in den Knochen und sie hatte das Bedürfnis sich in ein Bett zu verkriechen und zu schlafen. Die leise Ahnung, dass sie morgen krank sein würde beschlich sie, doch das war erstmal nicht von Wichtigkeit. Vielleicht fühlte sie sich nach etwas Tee besser.
» Und wie heißt du? «, fragte sie und verschwand endgültig in der Küche. » Welchen Tee möchtest du denn trinken? « Ihre stimme klang aus der Küche, eher dumpf als deutlich, aber der Fremde würde es schon verstehen. » Deine Sachen kannst du einfach da aufhängen, oder neben den Kamin legen, damit sie trocken. Du kannst schonmal ins Wohnzimmer gehen und es dir gemütlich machen, ja? Ich komme nach, wenn der Tee fertig ist. Möchtest du auch etwas essen? «
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BeitragThema: Re: Herbststurm   Herbststurm EmptySo Jan 29, 2012 11:10 am

Beinahe hätte Thanael geseufzt, als sie so entschieden sagte, dass er ihr nichts tun würde. Als gäbe es dafür eine höher gestellte Garantie, die er nicht verstand. Wehmütig betrachtete er das Menschenmädchen, ehe er ins Haus gezerrt wurde und sich die Tür hinter ihnen schloss. Vielleicht war es auch ein bisschen lächerlich, sich darüber Gedanken zu machen, ob sie entführt werden könnte, wenn er doch selbst gerade von ihr entführt worden war. Bei Menschen musste er sich schon lange keine Gedanken mehr darum machen, ob sie ihm gefährlich werden könnten, aber er fühlte sich niemals ganz wohl unter ihnen. Dazu war die Distanz einfach zu groß.

„Jja. Hübsch.“, antwortete er ihr, ohne sich mit dem Gedanken zu beschäftigen, wieso der Name hübsch sein sollte. Für ihn war er es, weil er nett klang und das nur, weil das Mädchen das ihn trug nett war. Er vermied es, über Asche und Feuer nachzudenken. Für ihn war Asche nicht unbedingt etwas Schönes, aber er wagte nicht, Aska zu fragen, wieso sie ihren Namen mochte. Asche war, was übrig blieb, wenn Feuer alles zerstört hatte. Was lebte, konnte zu Asche werden. Holz, Tiere, Menschen… Vampire.

„Thanael.“

Er fand keinen Grund, diesen Namen als hübsch zu bezeichnen. Er gefiel ihm irgendwie, aber wahrscheinlich deshalb, weil die Person die ihn einst getragen hatte jemand war, der seinen Eltern gefallen hatte. Bartholomäus, den Namen den er durch Nathanael ersetzt hatte, war mit Liebe ausgewählt worden. Das machte den Namen schön.
Er sah dem Mädchen nach, als es in der Küche verschwand. Er zog sich – mehr weil er es für angebracht hielt, nicht weil sie ihn aufforderte – seine Schuhe aus, damit sie trocknen konnten. Danach legte er die Jacke ab, um sich dann nahe des Ofens nieder zu lassen. Ein bisschen Glut war alles, was von dem einstigen Feuer übrig war. Wärme und Kälte waren Empfindungen aus der Vergangenheit. Er kannte zwar den Unterschied, aber dieser war bedeutungslos. Kälte war nichts Unangenehmes mehr und Wärme nichts Angenehmes. Dennoch tat er so, als würde er sich wärmen, nicht zuletzt deshalb, weil sein Körper die Wärme annehmen konnte und dann auch seine Hände nicht mehr kalt wie die einer Leiche waren. Anders war dieses Menschenmädchen sicher nicht zufrieden zu stellen.
Er stocherte ein bisschen im Kamin herum, damit das Feuer wieder größer wurde und gab ihm ein bisschen Nahrung, die er daneben hatte finden können. Zwei kleine, trockene Hölzer. Wenn diese brannten, konnte er etwas Größere darauf legen.

„Iich habe kkeinen bestimmten Wunsch.“, gab er zurück, als sie nach der Teesorte fragte, die er trinken wollte. Er erinnerte sich nicht einmal mehr an den Geschmack von Tee, zumal sich die Welt in den letzten 1100 Jahren verändert hatte. Sicher auch im Geschmack.

„Ddu solltest ddir wa-was Trockenes und Wwarmes anziehen. Ssonst erk-kältest du-du di-dich.“

Er musste sich ziemlich zusammen nehmen, um ‚laut’ zu sprechen. Das lag ihm gar nicht, aber er wusste, dass Aska ihn sonst nicht hätte hören können. Dennoch war seine Stimme noch ziemlich gedämpft.

„Iisst ddu was?“

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BeitragThema: Re: Herbststurm   Herbststurm EmptyMi Feb 01, 2012 5:44 pm


Thanael., dachte sie etwas geistesabwesend.
» Hübscher, seltener Name. «, entgegnete sie mit einem Lächeln.

Sie wählte einen Sauerkirschtee zum Servieren, stellte die Kanne mit dem gekochten Tee, zusammen mit zwei Tassen, einer Packung Zuckerwürfel und einer Packung Butterkekse auf ein hölzernes Tablett und trug es in das Wochzimmer. Sie erkannte schnell, dass sich Thanael am Feuer zu schaffen gemacht hatte und die Glut zusammen mit klenen Holzstücken zum Brennen gebracht hatte. Während sie das Tablett auf eine steinerne Bank neben dem Kamin gestellt hatte, lächelte sie ihm erneut zu und murmelte ein Danke.
Thanael hatte ihre nasse Kleidung angesprochen und erst jetzt viel ihr wieder auf, dass ihr Shirt und ihre Hose ganz eklich an der Haut klebten. Sie verzog das Gesicht und zuckte die Schultern.
» Du hast Recht. Warte hier und tu dir schoneinmal etwas Tee ein. Ich zieh mich schnell um und bin dann sofort wieder zurück. Essen werde ich nichts, ich habe gerade keinen Hunger. Zumindest nicht auf etwas anderes als Kekse. « Sie grinste schelmisch und schlüpfte aus der Tür. Mit eiligen Schritten hüpfte sie die Stufen hinauf, zog hastig ein weites, graues Shrit und eine Jogginhose aus ihrem Kleiderschrank und zog sie sich statt dem nassen Zeug an. Auch für Thanael raufte sie ein paar Sachen zusammen, ehe sie wieder hinunter ins Wohnzimmer eilte.
» Hier. «, sagte sie und warf ihm diverse T-Shirts und Hosen vor die Füße. » Zieh an, was dir passt. Du bist ja nicht wirklich trockener als ich es bis eben war. Das Badezimmer ist den Flur entlang und die erte Tür links. Nicht zu verfehlen, steht dick und fett dran. Dann können wir es uns endlich gemütlich machen, «, kicherte sie.
Schon jetzt klaubte sie einige Tierfelle und Decken zusammen, die sie vor dem Kamin ausbreitete. Sie sammelte auch die Kissen vom Sofa zusammen und legte sie zu dem Deckenhaufen dazu, ehe auch sie sich einen Tee eingoss. Ein kurzer Blick zur Uhr verriet ihr, dass es erst halb zwölf war. Bis ihre Eltern von der Arbeit heim kamen müssten noch mindestens drei Stunden vergehen, also genug Zeit um dafür zu sorgen, dass der Kerl nicht mehr kurz vor dem Erfrieren stand und ihn notfalls noch rechtzeitig bis zu seinem Zuhause zu begleiten. Zuhause, hallte es in Askas Kopf wider und mit Schrecken viel ihr ein Gedanke ein, der die ganze Situation aufklären konnte. Was, wenn Thanael gar kein Zuhause hatte? Wieso sollte man sonst so allein während eines Sturm draußen in der Kälte sitzen und Gefahr laufen jeden Moment von einem Baum erschlagen zu werden. Hatte... hatte Thanael vielleicht sogar versucht sich umzubringen? Aska hatte mitten in der Bewegung inne gehalten, als sie sich Tee eingoß. Die heiße, rötliche Flüssigkeit schappte schon über den Tassenrand, als es dem Mädchen auffiel. Ohne darauf zu achten eine rote Pfütze auf dem Tablett hinterlassen zu haben, setze sie sich nachdenklich hin. Was tat sie denn, wenn dem wirklich so war? Wenn Thanael allein, verzweifelt und unglücklich war? Bei der Hilfe für diesen Tag würde sie es nicht belassen können. Vorsichtig warf sie einen Blick aus dem Fenster, zu dem kleinen Gartenhäuschen, dass ihr Vater für sie gebaut hatte, als sie noch ein kleines Kind war. Jetzt steht es leer., dachte sie. Noch. In Gedanken formte sie schon Pläne um das Leben des jungen Mannes zu retten.
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Thanael

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BeitragThema: Re: Herbststurm   Herbststurm EmptyFr Feb 03, 2012 1:22 pm

Thanael zuckte nur mit den Schultern. Hübsch und selten. Er hatte nicht vor, Aska zu widersprechen, wenngleich er Nathanael nicht gerade für einen seltenen Namen hielt. Er war höchstens ein bisschen aus der Mode gekommen, aber so wie der Vampir die moderne Welt begriffen hatte, kehrten alle paar Jahre oder Jahrzehnte alte Traditionen zurück. Ganz so als würden die Menschen ihrer eigenen Vorlieben überdrüssig, um eine Generation damit zu schonen und die nächste die folgte neidisch auf die Vergangenheit zurückblicken zu lassen. Damals, als alles besser war. Menschen waren seltsam geworden. Allerdings waren sie vielleicht immer so merkwürdig gewesen und es war ihm nur nicht aufgefallen. Wie auch? Zu welchen Erkenntnissen sollte man in einem kurzen Leben schon kommen? Was wusste ein Mensch von der Ewigkeit?
Als Aska ging, um sich umzuziehen, blieb Thanael regungslos sitzen und betrachtete das, für diese Zeit merkwürdige, Zimmer. Leben erschien ihm das größte Geschenk von allen zu sein. Etwas, dass er nie wieder haben konnte. Ein törichter Wunsch.
Er hatte die Arme auf die leicht angezogenen Knie gestützt und vergrub nun seine Hand in den Haaren, als würde er müde seinen Kopf stützen. Eine solche Bewegung hatte für ihn keinerlei Sinn, sie war vielleicht ein Überbleibsel menschlicher Angewohnheit, oder Imitation von sterblichen Verhaltensweisen.
Als Aska wieder ins Wohnzimmer trat, sah er zu ihr auf und musterte die Kleidung, die sie vor ihm ausbreitete. Wie unnötig. Nass, kalt, dass alles spielte doch gar keine Rolle und nun verschmutzte er irgendwelche Wäsche anständiger Leute. Ergeben in sein Schicksal nickte er und nahm ein paar der Sachen auf, um Askas Wegbeschreibung zum Bad zu folgen. Zielsicher trat er darauf zu, überflüssig zu sagen, dass er das Zimmer auch ohne Anleitung gefunden hätte.
Da er nahezu dieselbe Größe wie das junge Menschenmädchen hatte, war es einfach, etwas Passendes zu finden. Und da es ihm völlig egal war, wie er aussah, spielte es noch nicht einmal eine Rolle, ob die Kleidungsstücke eigentlich für das weibliche Geschlecht waren. Es fiel nicht übermäßig auf, wie er fand, er wagte allerdings nicht, in den Spiegel zu sehen. Er mied Spiegel grundsätzlich.
Umgezogen war er schnell, lautlos trat er auf den Flur hinaus und verharrte dort ein bisschen. Er lauschte dem Unwetter, das draußen tobte, dem Feuer, das inzwischen mit gewinnender Kraft im Kamin loderte und den Atemzügen und dem Herzschlag des Menschenmädchens. Er besann sich auf seine eigene Menschlichkeit, als er wieder zu ihr trat und sich langsam und vorsichtig mit ein wenig Abstand zu ihr setzte. Sein Blick huschte über ihr Gesicht und streifte dann immer wieder durch den Raum, als würde er die Einrichtung in Augenschein nehmen. Er wartete darauf, dass sie irgendeinen Impuls gab, was nun zu tun war. Für Smalltalk hatte er auch in den letzten Jahren, die er in Amerika war, kein Talent entwickelt. Er konnte nicht über irgendetwas Belangloses reden, dabei kam er sich dumm vor. Wegen ihm brauchte man, wenn man sich sowieso nichts zu sagen hatte, gar nicht erst den Mund auf machen. Hätte er nun irgendetwas über das furchtbare Wetter sagen sollen? Er wusste nur, dass er sich bei einer guten Gelegenheit für alles bedanken musste.

"Bist du oft allein?", fragte er schließlich. Es sollte vielleicht neugierig klingen, aber für all dieses 'verstellen' hatte er ebenfalls kein Talent. Und so klang es, trotz seiner Bemühung, ein bisschen besorgt.

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